Freitag, 27. Februar 2009

Armutsvererbung

Es gibt Begriffe, die mit einer eingängigen Bilderproduktion einen Sachverhalt verfälschen. Und es gibt Begriffe, die dies sogar mit einer nicht-vorstellbaren Bilderproduktion schaffen. Zu diesen Begriffen zählt "Armutsvererbung". Armut ist ja bekanntlich nicht Vermögen, sondern das relative oder absolute Fehlen von Vermögen. So besitzt die ärmere Hälfte der Bevölkerung in Deutschland im Durchschnitt nichts. Entsprechend werden sie nichts vererben. Wie bitte vererbt man den Mangel an Vermögen? Mit einem gesunden Menschenverstand behaftet fühlt man sich verarscht, wenn man jemanden fragt, ob er etwas geerbt hat und dieser dann antwortet: ja, ich habe geerbt und zwar nichts.

Falls jemand intervenieren möchte mit dem Einwurf: "Armut ist doch nicht nur Armut am materiellen Besitz, es gibt doch auch z.B. Bildungsarmut" gebe ich zurück: wie vererbt man Bildung, die man nicht hat? Wie vererbt man einen "legitimen Geschmack", den man nicht hat? Wie vererbt man den Mangel an karrierefördernde Beziehungen?

Samstag, 21. Februar 2009

Zum Klassismus Mißfelders

Diese Woche konnte ich meine Sammlung von klassistischen Politikersprüchen um einen erweitern.

Ausgerechnet am Welttag der sozialen Gerechtigkeit berichten die Medien von einer neuen klassistischen Äußerung des Vorsitzenden der Jungen Union, Philipp Mißfelder. In einem Frühschoppen der CDU bediente er ein Stereotyp gegen Arbeitslose:
"Die Erhöhung von Hartz IV war ein Anschub für die Tabak- und Spirituosenindustrie."
Dabei war er doch kürzlich erst wieder in Schlagzeilen mit seiner Meinung von 2003, dass ältere Menschen sich nicht von der Krankenkasse Hüftgelenke bezahlen lassen sollten. Dies wurde im letzten Jahr ausgegraben, als sein Kollege, der RCDS-Vorsitzende Gottfried Ludewig mitteilte:

Freitag, 20. Februar 2009

Welttag der Sozialen Gerechtigkeit

Der 20. Februar ist 2007 von der Generalversammlung der UN zum Welttag der sozialen Gerechtigkeit ernannt worden und wird heute zum ersten Mail begangen - oder sollte es zumindest. Ich nehme diesen Tag zum Anlass, um mein erstes Blog zu schreiben. Ein Blog zum Thema Klassismus, also zur Benachteiligung / Herabwürdigung aufgrund der Klassenzugehörigkeit.

Seit Mitte Januar versuchte ich herauszufinden, was das sein soll, ein Welttag der sozialen Gerechtigkeit. Ich recherchierte und schrieb einen Beitrag bei Google-Knol. Gleichzeitig war ich natürlich daran interessiert, wie in Deutschland der Welttag der sozialen Gerechtigkeit begangen wird. Handlungsbedarf ist unzweifelhaft gegeben. Die Blogbeiträge, die ich in den nächsten Wochen und Monaten schreibe, werden diesen Handlungsbedarf schildern. Wobei das Wort "Handlungsbedarf" schon verharmlosend ist. Schließlich wird ja gehandelt. Die soziale Ungerechtigkeit wird hergestellt, Tag für Tag, sie fällt nicht vom Himmel.
 
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