Dienstag, 29. Dezember 2009

Klassenrassismus bei Marx - Über Marx hinaus Teil 1

Über Marx hinaus

"Über Marx hinaus" ist eine Anthologie der Herausgeber Marcel van der Linden und Karl Heinz Roth. In zwei Sektionen ("Arbeitsgeschichte – Die Evidenz der Empirie", "Das Marxsche Konzept auf dem Prüfstand") finden sich auf 600 Seiten zwanzig sehr lesenswerte Artikel, die sich mit der "Arbeitsgeschichte und [dem] Arbeitsbegriff in der Konfrontation mit den globalen Arbeitsverhältnissen des 21. Jahrhunderts" befassen. Einige Artikel sind so spannend, dass ich gerne in diesem Blog näher auf sie eingehen möchte. Ich beginne mit einem Beitrag von Thomas Kuczynski.

Samstag, 5. Dezember 2009

Homophobie und Antisemitismus nehmen zu

Deutsche Zustände
Gestern wurden während der Pressekonferenz in Berlin die neuen Ergebnisse der Langzeitstudie zur Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit vorgestellt. Diese Studie ist auf zehn Jahre angelegt, jedes Jahr werden zweitausend Menschen Sätze vorgelegt, denen sie zustimmen oder die sie ablehnen können. Es werden mit dieser Studie gruppenbezogene Vorurteile untersucht. Die Forschergruppen aus Bielefeld und Marburg verfolgen die These, dass diese einzelnen Vorurteile als ein "Syndrom der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit" aufgefasst werden können, das heißt, dass diejenigen, die ausländerfeindlich sind, meistens auch zu Sexismus und Behindertenfeindlichkeit neigen. Die Ergebnisse werden in der Suhrkamp-Reihe "Deutsche Zustände" zusammengefasst, wobei der gestern vorgestellte achte Band die Wirtschaftskrise und deren Folgen für die Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in den Fokus nimmt.

Samstag, 14. November 2009

Syndrom der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit in Europa

Die ersten Ergebnisse einer europäischen Untersuchung zum Syndrom der "Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit" wurden gestern in Berlin präsentiert. Es war Freitag der 13. Die Ergebnisse zeigen rassistische, anti-islamische und sexistische Vorurteilstrukturen in allen untersuchten europäischen Ländern. Zahlen zu klassistischen Vorurteilen (z.B. Klassismus gegen Obdachlose) wurden leider nicht dargestellt.

Freitag, 16. Oktober 2009

Sarrazins Sozialeugenik

Thilo Sarrazin ist im Vorstand der Bundesbank und bekannt für seine rassistischen und klassistischen Sprüche. Besonders umstritten waren seine Äußerungen in der Lettre International 86 vom September 2009.

Sarrazins Äußerungen waren nicht nur rassistisch, sondern auch klassistisch. Sein Rassismus wurde zurecht angegriffen. Der Berliner Integrationsbeauftragte Günter Piening warf Sarrazin "rassistische Äußerungen" vor und ähnlich äußerten sich Kenan Kolat von der Türkischen Gemeinde und Stefan Kramer vom Zentralrat der Juden in Deutschland. Die Bundesbank reagierte mit einer Distanzierung und einer Strafmaßnahme gegen Sarrazin und die Berliner Staatsanwaltschaft prüft Ermittlungen wegen des Verdachts auf Volksverhetzung. Zurecht. Aber die Kritik richtete sich ausschließlich gegen die rassistischen, nicht gegen die sozialeugenisch-klassistischen Sprüche gegen die sogenannte "Unterschicht".

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Klassendebatte in Schweden

Schweden - das ist ein Synonym für den sozialdemokratischen Wohlfahrtsstaat. Dennoch ist auch Schweden ein kapitalistisches Land und somit eine Klassengesellschaft.

Am Montag war Gabriel Kuhn auf der Durchreise in Münster und berichtete über aktuelle Klassendebatten in Schweden. In einem fünfjährigen Projekt stellten linke AktivistInnen mit einer Herkunft aus der Arbeiterklasse ein Buch zusammen, in dem sie über ihre Klassenkonflikte innerhalb des linksalternativen Milieus berichten. Das Buch mit dem Titel En knuten näve i fickan (Eine geballte Faust in der Tasche) erschien 2008 im linken schwedischen Yelah-Verlag und wurde von Fredric Carlsson-Andersson und Atilla Piskin herausgegeben.

Donnerstag, 24. September 2009

Bildungspolitik: Jede Woche eine Watsche!

Die Verantwortlichen für die Klassendiskriminierung in Deutschland werden im Wochenturnus abgewatscht. Abgewatscht durch internationale Studien der OECD, durch Auftragsstudien, deren Ergebnisse nicht so sein sollten wie sie sind und gedeckelt und zurückgehalten werden, durch kleinere Studien wie vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung und durch Masterarbeiten, die ganz neue Diskriminierungsaspekte herausarbeiten. Würde man diese Studien als Ohrfeigen visualisieren und im Zeitraffer ablaufen lassen, dann sähe es ungefähr so wie im folgenden Video aus. It's hard to catch the first time:

Donnerstag, 27. August 2009

Oberschicht : Unterschicht = Overachievement : Underachievement

Es gibt in Deutschland zahlreiche Studien die eine Bildungsbenachteiligung aufgrund der Sozialen Herkunft nachweisen. Am bekanntesten sind die PISA-Studien. Viele dieser Untersuchungen bestätigen einfach nur, dass der Bildungserfolg mit der Sozialen Herkunft zusammenhängt. Inzwischen können wir zusätzlich auf Forschungen zurückgreifen, die uns genauer sagen, wo die Ursachen für die Bildungsbenachteiligung liegen.

Natürlich wird jede dieser Studien von konservativen Gruppierungen angezweifelt. Aber selbst wenn sie sich zu einer Anerkennung der Forschungsergebnisse durchringen, werden diese in einer Weise interpretiert, die eine Kritik an klassendiskriminierenden Zuständen abzuwehren versucht.

Freitag, 22. Mai 2009

Zur Solidarischen Ökonomie Wikipedias


Solidarische Ökonomie und Anerkennung
In den letzten Tagen stellte ein Wikipedia-Autor eine interessante Frage. Er sei einer der unbekannten Schreiber der Wikipedia-Inhalte, sei auch an der Weiterentwicklung von Software beteiligt und für ihn sei es bislang selbstverständlich gewesen, dass dieses freiwillige Engagement unmittelbar mit der Idee des Bedingungslosen Grundeinkommen zusammenhänge. Erst als er mit einem Kollegen darüber diskutierte, wurde ihm klar, dass nicht alle Wikipedia-Autoren ihre nicht-entgeltliche Arbeit mit der Forderung nach einem Bedingungslosen Grundeinkommen verknüpfen. Seine Frage war, wie andere Wikipedia-Autoren dies sehen, ob sie nicht auch einer Entkopplung von Einkommen und Arbeit zustimmen würden.

Sonntag, 17. Mai 2009

Leben wir in einer Klassengesellschaft?

Zu diesem Thema werde ich am 25. Mai einen Vortrag halten. Bei der Vorbereitung fühle ich mich positiv irritiert, da ich nicht weiß, wo ich zuerst anfangen soll. Ich komme kaum hinterher, die mit den Schlagzeilen der Medien gelieferten Belege für die Existenz der Klassengesellschaft aufzuarbeiten.

Wie waren die Zahlen letzte Woche? Geringverdiener zahlen in Deutschland am meisten Steuern? Wer präsentierte dieses Ergebnis? Die OECD? Und gab es da in der letzten Woche nicht noch eine Studie, derzufolge die Einkommensschere sich noch weiter öffnet? Heute präsentierte der Deutsche Partitätische Wohlfahrtsverband den "Armutsatlas".

Montag, 27. April 2009

Rassismus und "Schweinegrippe"

Trägt die Wahrnehmung der Nordamerikanischen Grippe, der sogenannten "Schweinegrippe" dazu bei, den alltäglichen Rassismus zu verstärken? Ja. Und zwar auf verschiedene Weise.

Reine und Unreine
Rassismus basiert auf Gegensatzpaaren. Nach Wulf D. Hund (Rassismus, 2007, S.43ff) ist eine wichtige Form des Rassismus das Gegensatzpaar "Reine und Unreine". Dieses Gegensatzpaar finde sich zunächst und am deutlichsten im Kastenwesen in Indien, sei aber auch mit dem Entstehen des Begriffs "Rasse" in Spanien im Antijudaismus wesentlich gewesen. Und auch im Begriff "Rassenhygiene" zeigte sich die Verknüpfung von Unreinheit, Krankheit und Seuche mit Rasse. Unreinheit und Krankeit werden auf klassenrassistische Konstruktionen projiziert.

Dienstag, 7. April 2009

Antidiskriminierungs-Richtlinien und Bildung

Letzte Woche war die Woche zum Thema Diskriminierung. Erst wurde die für die deutsche (Anti)-Diskriminierungspolitik äußerst peinliche Sinus-Studie "Diskriminierung im Alltag" vorgestellt. Dann wurden gegen den Widerstand unter der Federführung eines deutschen CSU-Mitglieds die Antidiskriminierungsrichtlinien für die Diskriminierungsmerkmale Alter, Behinderung, Religion/Weltanschauung und sexuelle Identität ausgeweitet. Sie sollen nun entsprechend den Diskriminierungsmerkmalen Geschlecht und ethnische Herkunft/"Rasse" über den Arbeitsmakrt hinaus erweitert werden auf die Bereiche Sozialschutz, Bildung, Transport oder Zugang zu Dienstsleistungen.

Montag, 6. April 2009

Ohrfeige für aktuelle Antidiskriminierungspolitik (Sinus-Studie I)

Letzte Woche (02.04.09) stellte die Antidiskriminierungsstelle des Bundes die von ihr in Auftrag gegebene Sinus-Studie "Diskriminierung im Alltag - Wahrnehmung von Diskriminierung und Antidiskriminierungspolitik in unserer Gesellschaft" vor. Würde die Bundesregierung die Antidiskriminierungspolitik ernst nehmen, so wären die Ergebnisse dieser Studie für sie ein Desaster.

Nachdem ich mir erst mein Adobe-Programm aktualisieren musste, um die Studie runterladen zu können, habe ich nun endlich die Studie gelesen und weiß überhaupt nicht, welchen der skandalösen Punkte ich zuerst auflisten soll. Es werden jedenfalls mehrere Blogbeiträge. An dieser Stelle werde ich auf die Ausgrenzung klassenspezifischer Diskriminierungsmerkmale durch die Bunderregierung eingehen. Meine vor wenigen Wochen im Blogbeitrag aufgestellte Forderung Das AGG klassenspezifisch ergänzen hat durch die Studie an aktueller Brisanz gewonnen.

Freitag, 3. April 2009

Der Sinn des Lebens

Da haderte ich gerade mit mir, ob ich einen Blog-Beitrag schreiben soll zu einem nicht-aktuellen Themen, wo doch gerade die NATO-Konferenz in Straßburg, der G20-Gipfel in London stattfindet, Weltwirtschaftskriste und Klima"katastrophe" sowieso, kann man denn da über "den Sinn des Lebens" schreiben oder gerade deshalb? ... und bekomme dann von Bertelsmann - auf die immer Verlaß ist - den Ball zugespielt: "Die Mehrheit der Deutschen glaubt an ein Leben nach dem Tod". Na, was sollen sie machen, wenn es doch vorher keins gibt, würde ich flapsig antworten, hätte ich nicht eh schon einen im Kopf ausgearbeiteten Beitrag parat zum Thema "Glauben", Bertelsmann und Essentialisierungen.

Freitag, 20. März 2009

Sexismus - Diskriminierendes Deutschland I

Mit dieser Reihe werde ich über Diskriminierungen berichten, mit denen sich Deutschland gegenüber seinen europäischen Nachbarstaaten im negativen Sinne besonders hervortut. Mir ist die Problematik bewusst, einen Staat zu "subjektivieren". Deutschland ist kein handelndes Wesen. Dennoch haben wir in Deutschland Institutionen und Verhaltensmuster, die besonders diskriminierungsfördernd sind.
Oder soziologischer formuliert (bitte nicht von der Sprache abschrecken lassen): Es gibt spezifische deutsche Merkmale, die sich staatspolitisch im Korporatismus und sozialpsychologisch in milieuspezifisch traditierte Habitus niederschlagen, welche strukturelle, insbesondere institutionelle Diskriminierungen einerseits und Syndrome gruppenspezifischer Menschenfeindlichkeiten andererseits verursachen. Wichtig hierbei ist, dass sich die verschiedenen Diskriminierungsformen (Rassismus, Sexismus, Klassismus, Behindertenfeindlichkeit ...) in der Praxis überschneiden und gegenseitig bedingen.

Freitag, 13. März 2009

Deklassierung und Amoklauf

Die intelligenteren Beiträge zum jüngsten Amoklauf stellen die Anerkennungsfrage in der kapitalistischen Konkurrenzgesellschaft (Freerk Huisken) bzw. in der Marktgesellschaft (Wilhelm Heitmeyer) in den Mittelpunkt. Aber reicht es zur Erklärung des Amoklaufes aus, auf einen Anerkennungsmangel zu verweisen?

Looser
Natürlich ist dieser Ansatz richtiger als der Hinweis auf Computerspiele. Der Verweis darauf, dass wir vom Kapitalismus zum Konkurrenzdenken gezwungen werden und dass die Marktwirtschaft inzwischen zu einer Marktgesellschaft mutiert ist, in der Menschen immer stärker ihre Mitmenschen nach ökonomischen Verwertungsmerkmalen bewerten, ist sehr wichtig. Ich hatte wenige Tage vor dem Amoklauf von Winnenden ein interessantes Gespräch mit einer Frau, die nach ihrem Studium jahrelang HartzIV bekam und entsprechend sensibilisiert seit kurzem an einer Schule arbeitet.

Dienstag, 3. März 2009

Das AGG klassenspezifisch ergänzen

(siehe auch: Klassismus - Das AGG um Soziale Herkunft und Vermögen ergänzen Facebook-Gruppe)
Im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz wird das Verbot von sechs Diskriminierungsformen geregelt:

* Rasse und ethnische Herkunft,
* Geschlecht
* Religion und Weltanschauung,
* Behinderung
* Alter
* sexuelle Identität

Freitag, 27. Februar 2009

Armutsvererbung

Es gibt Begriffe, die mit einer eingängigen Bilderproduktion einen Sachverhalt verfälschen. Und es gibt Begriffe, die dies sogar mit einer nicht-vorstellbaren Bilderproduktion schaffen. Zu diesen Begriffen zählt "Armutsvererbung". Armut ist ja bekanntlich nicht Vermögen, sondern das relative oder absolute Fehlen von Vermögen. So besitzt die ärmere Hälfte der Bevölkerung in Deutschland im Durchschnitt nichts. Entsprechend werden sie nichts vererben. Wie bitte vererbt man den Mangel an Vermögen? Mit einem gesunden Menschenverstand behaftet fühlt man sich verarscht, wenn man jemanden fragt, ob er etwas geerbt hat und dieser dann antwortet: ja, ich habe geerbt und zwar nichts.

Falls jemand intervenieren möchte mit dem Einwurf: "Armut ist doch nicht nur Armut am materiellen Besitz, es gibt doch auch z.B. Bildungsarmut" gebe ich zurück: wie vererbt man Bildung, die man nicht hat? Wie vererbt man einen "legitimen Geschmack", den man nicht hat? Wie vererbt man den Mangel an karrierefördernde Beziehungen?

Samstag, 21. Februar 2009

Zum Klassismus Mißfelders

Diese Woche konnte ich meine Sammlung von klassistischen Politikersprüchen um einen erweitern.

Ausgerechnet am Welttag der sozialen Gerechtigkeit berichten die Medien von einer neuen klassistischen Äußerung des Vorsitzenden der Jungen Union, Philipp Mißfelder. In einem Frühschoppen der CDU bediente er ein Stereotyp gegen Arbeitslose:
"Die Erhöhung von Hartz IV war ein Anschub für die Tabak- und Spirituosenindustrie."
Dabei war er doch kürzlich erst wieder in Schlagzeilen mit seiner Meinung von 2003, dass ältere Menschen sich nicht von der Krankenkasse Hüftgelenke bezahlen lassen sollten. Dies wurde im letzten Jahr ausgegraben, als sein Kollege, der RCDS-Vorsitzende Gottfried Ludewig mitteilte:

Freitag, 20. Februar 2009

Welttag der Sozialen Gerechtigkeit

Der 20. Februar ist 2007 von der Generalversammlung der UN zum Welttag der sozialen Gerechtigkeit ernannt worden und wird heute zum ersten Mail begangen - oder sollte es zumindest. Ich nehme diesen Tag zum Anlass, um mein erstes Blog zu schreiben. Ein Blog zum Thema Klassismus, also zur Benachteiligung / Herabwürdigung aufgrund der Klassenzugehörigkeit.

Seit Mitte Januar versuchte ich herauszufinden, was das sein soll, ein Welttag der sozialen Gerechtigkeit. Ich recherchierte und schrieb einen Beitrag bei Google-Knol. Gleichzeitig war ich natürlich daran interessiert, wie in Deutschland der Welttag der sozialen Gerechtigkeit begangen wird. Handlungsbedarf ist unzweifelhaft gegeben. Die Blogbeiträge, die ich in den nächsten Wochen und Monaten schreibe, werden diesen Handlungsbedarf schildern. Wobei das Wort "Handlungsbedarf" schon verharmlosend ist. Schließlich wird ja gehandelt. Die soziale Ungerechtigkeit wird hergestellt, Tag für Tag, sie fällt nicht vom Himmel.
 
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