Montag, 26. Juli 2010

Sodom und Gomorrha

Eva Herman zu den 19 Toten und 450 Verletzten: "Eventuell haben hier ja auch ganz andere Mächte mit eingegriffen, um dem schamlosen Treiben endlich ein Ende zu setzen. Was das angeht, kann man nur erleichtert aufatmen!" Sie steht mit ihrer Meinung nicht allein. Exakt die gleiche Argumentation benutzten 2005 Christ_innen nach dem Hurricane Katrina in New Orleans. Hier war es vor allem der Umzug Mardi Gras, gegen den sich Gottes Zorn richtete. Die Frage wird sich stellen, wie die Traumata der Überlebenden aufgearbeitet werden, und ob an der einen anderen Stelle, sei es therapeutisch oder esoterisch.

Montag, 14. Juni 2010

Innerer Reichsparteitag im Deutschlandfahnenmeer

Das Fußballblog "11 Freunde" kommentiert das erste Spiel der deutschen Mannschaft während der WM 2010:
Da waren wir auf einmal zu sehr wieder wer. Katrin Müller-Hohenstein geriet ob des Tores von Miroslav Klose so stark in Verzückung, dass sie ihrem Sidekick Oliver Kahn entgegen jubelte: »Und für Miroslav Klose muss das doch ein innerer Reichparteitag sein, jetzt mal ganz im Ernst, dass der heute hier trifft.« Andreas Bock: Ein innerer Reichsparteitag
und endet mit der Frage: "Im Eifer dieser Zeilen: Wie zur Hölle fühlt sich so etwas eigentlich an? Ein innerer Reichsparteitag?"

Sonntag, 6. Juni 2010

Ausbeutung – Ungleichheit – soziale Kämpfe in der Gegenwart

Konferenz 2./3.07 2010 in Jena:

Erste Jenaer Klassenkonferenz

"Sowohl für die kritische Gesellschaftstheorie als auch für die sozialen Bewegungen ist ungeklärt, welche analytischen und handlungsrelevanten Einsichten die Anwendung des Klassenbegriffs auf die heutige Sozialstruktur bietet, ja ob es überhaupt möglich ist, von sozialen Klassen zu sprechen.

Freitag, 9. April 2010

Stopp Westerwelle, Koch und Sarrazin! – Kein Platz für Sozialrassismus!

Pressemitteilung vom Erwerbslosen Forum Deutschland

Arbeitslos, TV-Konsum, Fettleibigkeit und ein geltungssüchtiger Thilo Sarrazin

Bonn – Die Diffamierungskampagne gegen Hartz IV-Bezieher nimmt kein Ende. Nachdem die Berliner Grünenpolitikerin Claudia Hämmerling über Ostern den Vorschlag ins Spiel brachte, Hartz IV-Bezieher zur Kontrolle von Hundekot einzusetzen und nach heftiger Kritik diesen wieder zurück nahm, legte gestern der Berliner Ex-Finanzsenator und jetziges Vorstandsmitglied der Bundesbank, Thilo Sarrazin (SPD) heftig nach.

Freitag, 19. März 2010

The Dishwasher - Das Magazin für studierende Arbeiterkinder

Vorübergehend bin ich hier weniger aktiv, da ich das Magazin und Blog "The Dishwasher - Magazin für studierende Arbeiterkinder" aufbauen möchte. Das ändert sich wieder, sobald der Laden dort läuft.
Als Pausenuntermalung hier ein Gedicht von Kurt Tucholsky, vertont von "The Ex" und "Dog faced Hermans":




Kurt Tucholsky:

Lied der Steinklopfer

Wenn jeder Stein ein Richter wär,
ein General von unserm Heer,
Herr Hilferding im Frack –:
dann rammten wir mit voller Kraft,
die Straße wäre bald geschafft –
rack –
pickepack –
tack-tack.

Daß jeder Stein und jeder Stein
so schwer geht in den Boden ein
wie allen Tag für Tag
die Lehre, daß der Arbeitsmann
nicht nur für andere schuften kann –
rack –
pickepack –
tack-tack . . . !

Wer marschiert mit Pfeifen, wer fährt laut
über die Straße, die wir gebaut?
Und wer ist daran schuld?
Die Ramme gepackt.
Es klopft im Takt:
Geduld.
Geduld.
Geduld.

Kurt Tucholsky
  • Aus: Deutschland, Deutschland.

Sonntag, 10. Januar 2010

Diskriminierung an Hochschulen

Diskriminierung an Hochschulen ...
... zurecht werden die meisten an soziale Benachteiligung denken, an Arbeiterkinder, die sich die Studiengebühren nicht leisten können, an Nicht-Akademikerkinder, denen nicht vermittelt wird, dass sie stipendienberechtigt sind, an Studierende, die motiviert sind, sich aber vom Uni-Bluff abschrecken lassen, an Professoren, die ihre Hiwi-Stellen eher an Akademikerkinder vergeben als an Nicht-Akademikerkinder, man assoziiert vielleicht Studierende, die für ihren Lebensunterhalt nebenher jobben müssen, während andere von ihren Eltern Auslandsaufenthalte gesponsert bekommen, vielleicht kennt man noch Fälle, wo der eine Uni-Absolvent direkt in die Praxis seines Vaters einsteigen konnte, während der andere erstmal Schulden abbauen muss oder erinnert man sich eher an abwertende Sprüche gegenüber studierenden Arbeiterkindern, deren informationstechnologische Ausstattung mitunter ebenso armselig ist wie ihre Reiseerfahrung?

Dienstag, 29. Dezember 2009

Klassenrassismus bei Marx - Über Marx hinaus Teil 1

Über Marx hinaus

"Über Marx hinaus" ist eine Anthologie der Herausgeber Marcel van der Linden und Karl Heinz Roth. In zwei Sektionen ("Arbeitsgeschichte – Die Evidenz der Empirie", "Das Marxsche Konzept auf dem Prüfstand") finden sich auf 600 Seiten zwanzig sehr lesenswerte Artikel, die sich mit der "Arbeitsgeschichte und [dem] Arbeitsbegriff in der Konfrontation mit den globalen Arbeitsverhältnissen des 21. Jahrhunderts" befassen. Einige Artikel sind so spannend, dass ich gerne in diesem Blog näher auf sie eingehen möchte. Ich beginne mit einem Beitrag von Thomas Kuczynski.

Samstag, 5. Dezember 2009

Homophobie und Antisemitismus nehmen zu

Deutsche Zustände
Gestern wurden während der Pressekonferenz in Berlin die neuen Ergebnisse der Langzeitstudie zur Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit vorgestellt. Diese Studie ist auf zehn Jahre angelegt, jedes Jahr werden zweitausend Menschen Sätze vorgelegt, denen sie zustimmen oder die sie ablehnen können. Es werden mit dieser Studie gruppenbezogene Vorurteile untersucht. Die Forschergruppen aus Bielefeld und Marburg verfolgen die These, dass diese einzelnen Vorurteile als ein "Syndrom der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit" aufgefasst werden können, das heißt, dass diejenigen, die ausländerfeindlich sind, meistens auch zu Sexismus und Behindertenfeindlichkeit neigen. Die Ergebnisse werden in der Suhrkamp-Reihe "Deutsche Zustände" zusammengefasst, wobei der gestern vorgestellte achte Band die Wirtschaftskrise und deren Folgen für die Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in den Fokus nimmt.

Samstag, 14. November 2009

Syndrom der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit in Europa

Die ersten Ergebnisse einer europäischen Untersuchung zum Syndrom der "Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit" wurden gestern in Berlin präsentiert. Es war Freitag der 13. Die Ergebnisse zeigen rassistische, anti-islamische und sexistische Vorurteilstrukturen in allen untersuchten europäischen Ländern. Zahlen zu klassistischen Vorurteilen (z.B. Klassismus gegen Obdachlose) wurden leider nicht dargestellt.

Freitag, 16. Oktober 2009

Sarrazins Sozialeugenik

Thilo Sarrazin ist im Vorstand der Bundesbank und bekannt für seine rassistischen und klassistischen Sprüche. Besonders umstritten waren seine Äußerungen in der Lettre International 86 vom September 2009.

Sarrazins Äußerungen waren nicht nur rassistisch, sondern auch klassistisch. Sein Rassismus wurde zurecht angegriffen. Der Berliner Integrationsbeauftragte Günter Piening warf Sarrazin "rassistische Äußerungen" vor und ähnlich äußerten sich Kenan Kolat von der Türkischen Gemeinde und Stefan Kramer vom Zentralrat der Juden in Deutschland. Die Bundesbank reagierte mit einer Distanzierung und einer Strafmaßnahme gegen Sarrazin und die Berliner Staatsanwaltschaft prüft Ermittlungen wegen des Verdachts auf Volksverhetzung. Zurecht. Aber die Kritik richtete sich ausschließlich gegen die rassistischen, nicht gegen die sozialeugenisch-klassistischen Sprüche gegen die sogenannte "Unterschicht".

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Klassendebatte in Schweden

Schweden - das ist ein Synonym für den sozialdemokratischen Wohlfahrtsstaat. Dennoch ist auch Schweden ein kapitalistisches Land und somit eine Klassengesellschaft.

Am Montag war Gabriel Kuhn auf der Durchreise in Münster und berichtete über aktuelle Klassendebatten in Schweden. In einem fünfjährigen Projekt stellten linke AktivistInnen mit einer Herkunft aus der Arbeiterklasse ein Buch zusammen, in dem sie über ihre Klassenkonflikte innerhalb des linksalterniven Milieus berichten. Das Buch mit dem Titel En knuten näve i fickan (Eine geballte Faust in der Tasche) erschien 2008 im linken schwedischen Yelah-Verlag und wurde von Fredric Carlsson-Andersson und Atilla Piskin herausgegeben.

Donnerstag, 24. September 2009

Bildungspolitik: Jede Woche eine Watsche!

Die Verantwortlichen für die Klassendiskriminierung in Deutschland werden im Wochenturnus abgewatscht. Abgewatscht durch internationale Studien der OECD, durch Auftragsstudien, deren Ergebnisse nicht so sein sollten wie sie sind und gedeckelt und zurückgehalten werden, durch kleinere Studien wie vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung und durch Masterarbeiten, die ganz neue Diskriminierungsaspekte herausarbeiten. Würde man diese Studien als Ohrfeigen visualisieren und im Zeitraffer ablaufen lassen, dann sähe es ungefähr so wie im folgenden Video aus. It's hard to catch the first time:
 
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