Montag, 18. Oktober 2010

Sloterdijk: Zwei deutsche Großexperimente

Heinsohn sah am Ende des philosophischen Quartetts mit dem Thema: „Weniger Deutschland. Sterben die Deutschen aus?“ (18.10.2010) unglücklich aus. Sloterdijk hingegen konnte darstellen: es gibt keinen Rassismus. Am Anfang der Sendung hatte er betont, dass die Sendung mitnichten aufgrund der aktuellen Sarrazin-Debatte angesetzt worden sei, sondern bereits im Frühjahr die Redaktion beschlossen hatte, diese Sendung zum Thema Demografie durchzuführen.

Tatsächlich blieb Sarrazin außen vor. Sloterdijk hatte noch vor einem Jahr Sarrazins Interview im Lettre International, wo dieser bereits eugenisch argumentierte, verteidigt – und zwar im Cicero, dessen neuer Chef Naumann heute ebenfalls beim Philosophischen Quartett mitdiskutierte und als einziger durchgehend intelligente Kommentare von sich gab. Auch Heinsohn hatte Sarrazin bis vor kurzem noch verteidigt, ja sogar die umstrittenste Vokabel aus dem Lettre-Interview in einem eigenen Artikel frech wiederverwendet: „auswachsen“. Safranski machte mehrere Anläufe in Richtung Unterschichten-Intelligenz-Vererbung, aber weder Heinsohn noch Sloterdijk stiegen hierauf ein.

Dienstag, 12. Oktober 2010

Neue Vermögensstudie

In Kürze erscheint eine neue Vermögensstudie. Wolfgang Lauterbach, Thomas Druyen und Matthias Grundmann untersuchten das "Vermögen in Deutschland. Heterogenität und Verantwortung". Im aktuellen ManagerMagazin-Spezial "Die 500 reichsten Deutschen" findet sich ein Interview mit Wolfgang Lauterbach. Hier heißt es zum Thema Klassenaufstieg:
Der Aufstieg ist sogar die Regel. 64 Prozent der Befragten stammen aus einem Elternhaus der Mittelschicht. Zählt man die 21 Prozent dazu, die von "ganz unten" aufgestiegen sind, handelt es sich bei stattlichen 85 Prozent der Vermögenden um Aufsteiger. Diese rekrutieren sich jedoch nicht repräsentativ aus der Bevölkerung, sondern stammen eben sehr viel häufiger aus der Mittelschicht, wo mit Bildung und einem gewissen materiellen Hintergrund bereits die Fundamente gelegt wurden.

Donnerstag, 23. September 2010

Der Eugeniker Volkmar Weiss gibt Sigmar Gabriel Recht

Das wird Thilo Sarrazin nicht passen: Ausgerechnet Volkmar Weiss, ein Eugeniker von ganz rechts, gibt Sigmar Gabriel Recht. Natürlich gehe es bei Sarrazins "Deutschland schafft sich ab" um Eugenik. Schließlich sei Sarrazin überhaupt erst durch Weiss zu diesen "komplexen" eugenischen Gedankengängen in der Lage gewesen:

Ist Menschenzucht geltendes Recht?

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel warf dem Ex-Bundesbankvorstandsmitglied Thilo Sarrazin eine "Anleitung zur Menschenzucht" vor und führte dafür dessen Forderung ins Feld, Kindergeld abzuschaffen und stattdessen Akademikerinnen mit gehobener Herkunft 50.000 Euro für eine Geburt zu zahlen.
Bettina Röhl wies nun in einem Artikel darauf hin, dass dies doch längst geltendes Recht sei und meinte damit die Elterngeldregelung:

Dienstag, 21. September 2010

Sarrazins vererbter Schwachsinn

Das Magazin "Der Stern" hat herausgefunden, dass die achte Auflage von Thilo Sarrazins "Deutschland schafft sich ab" gegenüber der vierten geschönt wurde. Es ist dort jetzt nicht mehr die Rede von einem hohen Anteil "angeborenen Schwachsinns" bei Migranten aus dem Nahen Osten. Außer dem für seine Faschismus-Utopien bekannten Volkmar Weiss kenne ich niemanden, der diese veralterte und diskriminierende Formulierung "angeborener Schwachsinn" noch benutzt. Wenn Sarrazin solche Passagen unhinterfragt vom Rechtsaußen Weiss publik macht, dann stellt sich die Frage, welche faschistischen Utopien er eigentlich verfolgt. Der Schuss vom Bertelsmann-Verlag jedenfalls ging nach hinten los. Wollte er eher klammheimlich diese unschöne Passage glätten, so ist das Ding jetzt erst Recht bekannt geworden. Ob weitere Veränderungen vorliegen, ist noch nicht bekannt.

Flattr this

Montag, 6. September 2010

Definieren Sie Rassismus, Herr Dohnanyi

Klaus von Dohnanyi - gehobener Herkunft wie Thilo Sarrazin, den er verteidigt - spricht von "Soziale Rassen", die bestimmte gemeinsame Eigenschaften hätten. Dazu gehöre ein bestimmter Intelligenzquotient und eine bestimmte Fruchtbarkeitsquote. Man dürfe nicht "gedankenfeige" sein und solle sich nicht scheuen Worte wie "Rasse" zu benutzen und darüber nachzudenken. Natürlich nicht in einer "rassistischen" Weise. Definieren Sie Rassismus, Herr Dohnanyi.

Freitag, 3. September 2010

Sarrazin: ein Eugeniker? - Eine Pressesammlung

Im Folgenden dokumentiere ich eine Presseliste mit kurzen Auszügen und Links, die sich mit Thilos Sarrazins Eugeniktheorie befassen. Ich beginne mit der Diskussion seit dem Lettre-Interview. Bereits dort wurden die eugenischen Grundzüge deutlich, wurden aber selten benannt. Seit der Diskussion um Sarrazins Bestseller "Deutschland schafft sich ab" wurde einer größeren Gruppe von Journalisten und Journalistinnen die Rassenhygiene-Theorie in Sarrazins Thesen deutlich, bzw. sie berichten nun offener darüber. So gegensätzliche Journalist_innen wie Frank Schirrmacher (FAZ) und Ulrike Herrmann (taz) unterstellen Sarrazin, dass er bewusst Begriffe wie Eugenik und Entartung vermeide, sich aber sehr wohl darüber bewusst sei, dass er sie meine.

Donnerstag, 26. August 2010

Wegen Ladendiebstahl muss eine Mutter ins Gefängnis

Weil sie zehn Marzipanschweinchen im Wert von 30 Euro klaute, muss eine Mutter für fünf Monate ins Gefängnis - ohne Bewährung. Sie war wegen ähnlicher Bagatellen zuvor schon zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Der Sohn muss wahrscheinlich ins Heim. An solchen Fällen zeigt sich, dass die Justiz in Deutschland strukturell klassistisch geprägt ist.

Weitere Infos: Gefängnis für Mutter wegen Diebstahl von Lebensmitteln


Flattr this

Dienstag, 24. August 2010

DER SPIEGEL und BILD sind rassistisch, Sarrazin ist doch egal

Thilo Sarrazin wird am 30.August 2010 sein Machwerk "Deutschland schafft sich ab!" herausbringen. In gewohnter Weise wird er dort seine rassistischen und klassistischen Gedanken breit treten. Die "Unterschichten" und die türkischen und arabischen "Ausländer" vermehren sich wie die Karnickel und das ist schlecht, weil sie dadurch ihr schlechtes genetisches Erbmaterial im Volk verbreiten. So oder ähnlich wird es klingen. Alte Phrasen, immer wieder neu wiederholt von alten und jungen Faschisten. Das Problem ist nicht Sarrazin. Das Problem sind die Medien wie BILD, die mit Vorabdrucken seines Buches eine ganze Serie starten oder DER SPIEGEL, welcher ihm am Montag gleich die fünf Seiten vor der SPIEGEL-Bestseller-Seite überließen, wo er dank dieses ungewöhnlichen Medien-Promotings ganz nach oben klettern wird. WELT-Online und die FAZ sind hier genauso zu kritisieren wie der FOCUS. Danke, SPIEGEL, für deinen Bärendienst.


Flattr this

Montag, 26. Juli 2010

Sodom und Gomorrha

Eva Herman zu den 19 Toten und 450 Verletzten: "Eventuell haben hier ja auch ganz andere Mächte mit eingegriffen, um dem schamlosen Treiben endlich ein Ende zu setzen. Was das angeht, kann man nur erleichtert aufatmen!" Sie steht mit ihrer Meinung nicht allein. Exakt die gleiche Argumentation benutzten 2005 Christ_innen nach dem Hurricane Katrina in New Orleans. Hier war es vor allem der Umzug Mardi Gras, gegen den sich Gottes Zorn richtete. Die Frage wird sich stellen, wie die Traumata der Überlebenden aufgearbeitet werden, und ob an der einen anderen Stelle, sei es therapeutisch oder esoterisch.

Montag, 14. Juni 2010

Innerer Reichsparteitag im Deutschlandfahnenmeer

Das Fußballblog "11 Freunde" kommentiert das erste Spiel der deutschen Mannschaft während der WM 2010:
Da waren wir auf einmal zu sehr wieder wer. Katrin Müller-Hohenstein geriet ob des Tores von Miroslav Klose so stark in Verzückung, dass sie ihrem Sidekick Oliver Kahn entgegen jubelte: »Und für Miroslav Klose muss das doch ein innerer Reichparteitag sein, jetzt mal ganz im Ernst, dass der heute hier trifft.« Andreas Bock: Ein innerer Reichsparteitag
und endet mit der Frage: "Im Eifer dieser Zeilen: Wie zur Hölle fühlt sich so etwas eigentlich an? Ein innerer Reichsparteitag?"

Sonntag, 6. Juni 2010

Ausbeutung – Ungleichheit – soziale Kämpfe in der Gegenwart

Konferenz 2./3.07 2010 in Jena:

Erste Jenaer Klassenkonferenz

"Sowohl für die kritische Gesellschaftstheorie als auch für die sozialen Bewegungen ist ungeklärt, welche analytischen und handlungsrelevanten Einsichten die Anwendung des Klassenbegriffs auf die heutige Sozialstruktur bietet, ja ob es überhaupt möglich ist, von sozialen Klassen zu sprechen.
 
...